Presse
12.02.2012, 16:21 Uhr | Märkische Allgemeine / Klaus Bischoff
„Brücken müssen nicht hässlich sein“
Autoren einer Landkreis-Studie plädieren für neue Bahnübergänge am Forstweg und an der Friedenstraße
Das Thema elektrisierte: Weit mehr als 200 Zeuthener, Eichwalder, Schulzendorfer und Schönefelder wollten am Donnerstag hören, wo Brücken über der oder Tunnel unter der Bahn verlaufen können. Und sie sagten ihre Meinung.

ZEUTHEN - „Die Politik geht heute auf die Bürger zu“, verkündete Stephan Loge, „und stellt Ihnen Überlegungen vor, die noch nicht die Form konkreter Projekte besitzen.“ Dann hob der Landrat, der auf seinem Weg zur Zeuthener Mehrzweckhalle am geschlossenen Bahnübergang zwölf Minuten warten musste, zu einem engagierten Plädoyer für eine schrankenlose Gleisquerung an.

Das sogenannte integrierte Verkehrskonzept, das die Notwendigkeit derartiger Neubauten in Abrede stellte, habe er in diesem Punkt nie akzeptiert, merkte Loge an. „So, wie es jetzt ist, kann es nicht weitergehen“, rief er aus und verwies darauf, dass auch Krankenwagen, Polizei und Feuerwehr oft erst nach langer Wartezeit von einer Bahnseite auf die andere kämen.

5200 Fahrzeuge passierten den Zeuthener Forstweg täglich, 5600 seien es in Eichwaldes Friedenstraße, stellte Berthold Pohl fest, dessen Ingenieurbüro eine vom Landkreis mit 30 000 und vom Dialogforum der Flughafenkommunen mit 15 000 Euro finanzierte Studie zu niveaufreien Bahnquerungen erarbeitet hatte. 2030 wären jeweils deutlich über 6000 Autos zu erwarten. Selbst wenn der Bahnverkehr keine große Dichte erreiche, müsse mit langen Staus gerechnet werden, die speziell bei Zeuthens abbiegender Hauptstraße auch Unfallgefahren mit sich brächten.

Dann präsentierte Pohl die Lösung. Vom Forstweg könnte sich eine diagonal südlich geschwungene Brücke mit Radweg, Treppenhaus und Lift zu einem erhöht angelegten Kreisverkehr ziehen. In der Eichwalder Frieden-straße würde ein gewinkeltes Brückenbauwerk dem Straßenverlauf folgen.

„Brücken müssen nicht hässlich sein“, versuchte der Fachmann Bedenken von Tunnel-Freunden zu zerstören. Vor allem aber sind sie weitaus billiger als Unterquerungen. „Und es müssen für sie deutlich weniger Grünflächen geopfert werden“, wie Umwelt-Experte Klaus-Bernd Kaltegärtner ergänzte.

Wird an den beiden von Pohl empfohlenen Standorten gebaut und nicht an kleineren Gemeindestraßen, die ebenfalls betrachtet wurden, sind die Kommunen finanziell fein raus. Zu zahlen haben dann überwiegend Bahn, Bund, Land und Kreis. „Doch verlieren Sie so Ihren Gestaltungsspielraum und den Einfluss auf den Termin“, beschrieb Landrat Loge die andere Seite der Medaille.

Gespaltene Reaktionen riefen im Konzept enthaltene Vorschläge zum Bau neuer Verbindungen von den Bahnbrücken zur Autobahn hervor. Um bei Hubertus auf die A 117 zu kommen, müsste auf Waltersdorfer Gelände, für die Auffahrt auf die A 113 bei Kiekebusch auf Schulzendorfer Gebiet ein neues Straßenstück entstehen.

„Sanieren Sie doch erst mal die See- und Zeuthener Straße“, forderte der Eichwalder Sven-Olaf Moch. „Eine Querung am Hankelweg würde unsere Grundschule nicht mit so viel Verkehr belasten“, meinte der Zeuthener Manfred Pohl. „Nicht das Geld sollte im Mittelpunkt stehen, sondern die Entlastung der Bevölkerung“, stimmte ihm Sonja Pansegrau zu.

Bei einem Straßenneubau südlich des Mühlenschlages sollte ein Lärmschutz eingeplant werden, verlangte Joachim Kolberg. „Den Bewohnern droht schon genügend Fluglärm“, sagte er. Daran sei gedacht, versicherte Berthold Pohl. Wolf Eichler schlug vor, den Flughafen zur Finanzierung eines Brückenbaus heranzuziehen.

Mehrere Besucher bemängelten, einem Tunnelbau sei nicht die gleiche Aufmerksamkeit wie Überquerungen geschenkt worden. Ein Eisenbahner bezweifelte, dass sein Unternehmen Lust verspüre, Querungsprojekte zu bezahlen, nachdem es gerade erst die vorhandene Sicherheitstechnik modernisiert habe.

„Bilden Sie sich in den Gemeinden ein Urteil“, forderte Landrat Loge mehr als einmal auf. „Aus der Standortbewertung hält sich der Kreis heraus.“ Das Gutachten, teilte er mit, sei in den betreffenden Rathäusern einzusehen.

„Es verdient Respekt, dass Sie nicht mit einer abgeschlossenen Planung anrücken, sondern die Öffentlichkeit so frühzeitig einbeziehen“, lobte Knut-Michael Wichalski, ließ dann aber noch ein Quentchen Kritik einfließen: „Offenbar haben Sie aus Stuttgart 21 etwas gelernt.“

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