Presse
01.02.2012, 16:53 Uhr | Märkische Allgemeine / Franziska Mohr
Eine deutsch-deutsche Erfolgsstory
„20 Jahre Desy in Brandenburg“ wurde gestern in Zeuthen mit rund 350 Gästen gefeiert
In lockerer Runde war gestern an Stehtischen mal so kurz von Elektronenpaketen und Weltmaschine die Rede. Im Zeuthener Institut geben sich viele Superhirne ein Stelldichein, um eine deutsch-deutsche Wissenschaftsgeschichte zu feiern.

ZEUTHEN - Für Intelligenzforscher wäre die Platanenallee in Zeuthen gestern genau die richtige Adresse gewesen. Hier trafen sich etwa 350 Gäste, bei denen es von Doktoren- und Professorentiteln nur so wimmelte. Sie alle kamen, um die nach dem Mauerfall im Januar 1992 erfolgte Vereinigung des Institutes für Hochenergiephysik (IfH) der DDR mit dem Hamburger Forschungszentrum Deutsches Elektronen-Synchrotron (Desy) zu feiern.

Unter dem Motto „20 Jahre Desy in Brandenburg“ hatte der Zeuthener Standortleiter Christian Stegmann zu einem Symposium eingeladen, das auch zu einem freundlichen Wiedersehen von vielen Akteuren der Wendezeit wurde. So befand sich unter den Gästen nicht nur die heutige brandenburgische Wissenschaftsministerin Sabine Kunst, sondern auch ihr damaliger Amtsvorgänger Hinrich Enderlein. Er hatte im November 1991 den Staatsvertrag zwischen der BRD und den Ländern Hamburg und Brandenburg zur Eingliederung des Zeuthener Institutes in das Großforschungszentrum Desy mit unterzeichnet. „Das ist eine ideale Verbindung. Ich freue mich, dass das Institut nicht nur überlebt, sondern unsere damaligen Erwartungen bei Weitem übertroffen hat. Es ist heute ein wichtiger Partner bei internationalen Großprojekten“, betonte Enderlein, nachdem er gemeinsam mit vielen anderen Gästen an einem Rundgang durch das Institut teilgenommen hatte.

Dabei überzeugte er sich ebenso wie Paul Söding, der das Zeuthener Institut von 1991 bis 1998 leitete, über den Fortgang der Arbeiten bei der Erforschung von Elektronenpaketen beziehungsweise Röntgenlaserlicht. In der Medizin können damit beispielsweise geometrische Strukturen blockiert werden, um das Andocken von Viren zu verhindern. Mit Röntgenlasern kann jetzt aber auch die Eiweißproduktion im Körper ähnlich wie im Film verfolgt werden. Gearbeitet wird dabei mit winzigen Messeinheiten. So sind Atome in Abständen von 0,1 Nanometer unterwegs. Ein Nanometer ist ein milliardenstel Meter.

Nur wenige Türen weiter befanden sich die interessierten Besucher im Fernbedienungsraum des Atlas-Projektes, das am europäischen Kernforschungszentrum Cern in Genf läuft. Atlas ist der größte Teilchendetektor, der jemals gebaut wurde. Er erreicht die Größe eines fünfstöckigen Hauses und dient der Entschlüsselung von solchen physikalischen Phänomen wie den Higgs-Teilchen oder der Dunklen Materie. Über eine 10-Gigabit-Leitung laufen die Messdaten vom Cern in Genf direkt in Zeuthen auf, wo sich die Wissenschaftler Schritt für Schritt in den Detektor einklicken können. An diesem Projekt sind Wissenschaftler aus 38 Ländern beteiligt.

Unter den Gästen des Rundgangs befand sich auch Erich Lohrmann, der seit 50 Jahren bei Desy in Hamburg tätig ist. Er war Ende der 60er Jahre erstmals in Zeuthen. „Ich habe schon damals gestaunt, was die Leute hier mit den doch sehr beschränkten Mitteln und in den maroden Gebäuden alles auf die Beine gestellt haben“, meint der Wissenschaftler anerkennend. Umso mehr freue ihn, was er heute hier alles sehe – vom Astra-Projekt über die Cherenkov-Teleskope bis zum Schülerlabor. Da könne man wirklich nur gratulieren.

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